Die wilden Jahre

Aus Anlass des 50 Geburtstag unseres geliebten Austin-Healey nachfolgend eine Beschreibung unserer Erlebnisse mit den legendären Healeys des EXTRA MOBILE Racingteams. In den Dramen und Epen spielen folgende Personen eine tragende Rolle: JOCHEN EXTRA, Schreiber dieser Zeilen und mit HARALD MACK gemeinsam Betreiber der Fa. EXTRA MOBILE. Unser Motoren-Guru GOTTLOB SEIBOLD, verantwortlich für die Horse-Power unserer Renn-Schweine. MATHIAS MAI, anerkannt schneller Schweinetreiber und mit dem Aufbau diverser Rennsäue beauftragt. RONALD HAAS, Blechpatscher und Karosseriespezialist. FABIAN HILD und CLAUDIA KRÜGER, besser bekannt als Hänsel und Gretel. TORSTEN FRANZEN mit seinem Über-Healey. Nicht zu vergessen DETLEV RÜSKAMP, der völlig aus der Art geschlagen mit mir im TR3 unterwegs war.

Es grüßt an alle interessierten Leser
das EXTRA MOBILE Racingteam

Wie war das noch? Wann begann das alles?

Irgendwann 1990 klingelte Montag morgens bei uns in der Firma das Telefon. „Hallo, Fabian Hild hier. Ich besitze einen Healey und suche jemanden der mir einen neuen Kabelbaum einbauen kann. Ich möchte im Sommer die Alpen-Rallye mitfahren.“ Es wurde ein Termin ausgemacht und Fabian rüstete sich für die Fahrt von Frankfurt in den unbekannten Schwarzwald. Anfangs noch als lange Strecke empfunden, konnte Fabian einige Zeit später bald einen Zweitwohnsitz in Straubenhardt anmelden.

Aber alles der Reihe nach. Der Kabelbaum wurde eingebaut und Fabian erzählte uns von seinen Plänen, die Alpenrallye, eine einwöchige Fahrt durch die Alpen im Sinn der früheren Rallyes in Angriff zu nehmen. Gespannt lauschten wir seinen Ausführungen. Alles ging seinen Gang und im Sommer warteten wir gespannt auf Fabians Rückkehr. Der Healey hatte die rund 3000 km ohne technische Probleme bewältigt, allerdings war der vordere Kotflügel leicht lädiert.

Fabian war Feuer und Flamme für diese neue Art der Freizeitbeschäftigung und brachte es fertig, dass der Funke zu uns übersprang. Nach längeren Diskussionen war eines klar. Ein richtiges Einsatzgefährt musste her, sprich, eine richtige Rennsau. Unverzüglich wurden Baupläne erstellt, historische Unterlagen gesichtet und ein Finanz- und Zeitplan erstellt. Kurz danach traten wir eine Reise ins Saarland an, wo bei einem Händler ein Healey zum Verkauf stand.

Das richtige Einsatzgefährt

Das Fahrzeug war eine ideale Restaurierungsbasis, allerdings war Fabian der Zeitplan etwas zu lang, er wollte sich doch lieber nach einem fertigen Rennschwein umsehen. Kurioserweise landete der Healey Jahre später doch noch in unserer Werkstatt. Über Kontakte zum Schweizer Healey-Club hörten wir von einem Rennhealey, der eventuell zum Verkauf stünde. Also düsten wir in die freundliche Schweiz, fuhren besagtes Renngerät probe und der Kauf war praktisch beschlossene Sache. Die Ereignisse kamen langsam ins rollen.

Da stand er nun, der gun-metal-graue Healey und harrte der Dinge die da kommen sollten. Etliche Umbauarbeiten waren zu erledigen, wie neue Sitzposition einstellen, neue Tripmaster einbauen und so weiter. Allerdings stellte es sich schnell heraus, dass die Schweizer Eidgenossen mit mehr Begeisterung als Sachverstand das Fahrzeug aufgebaut hatten. So wurden innerhalb kurzer Zeit der Motor, das Getriebe und die Achsen von uns revidiert.

Und dann standen auch schon die ersten Events an. Bavaria-Rallye, Württemberg-Classic und etliche lokale Veranstaltungen wurden absolviert. Wir waren fast immer als Service-Team dabei. Langsam wurde es ernst.

Rallye Monte Carlo

Unsere erste Monte-Carlo-Challenge

Fabian wollte unbedingt die Monte-Carlo-Challenge fahren, eine gnadenlose Neuauflage der Monte-Carlo-Rallye der 50er Jahre: Im Januar bei Eis und Schnee 3000 km quer durch Deutschland, in die französischen Seealpen bis runter nach Monaco. Start war in Berlin. Fieberhaft wurden Winterreifen, Schneeketten und Thermoskannen besorgt, ein Ladeplan fürs Auto erstellt und jede Menge Frostschutz eingefüllt. Fabian musste einen Crash-Kurs in Healey-Technik belegen, während Claudia über Bergen von Karten brütete. Der Januar kam und los ging es. Allabendlich erreichte uns Fabians Kontrollanruf „ Bis jetzt alles in Ordnung“. Bis plötzlich am vorletzten Tag die Schreckensmeldung kam „ Achsbruch“. Das Hänsel und Gretel Team hatte es gerade noch mit letzter Kraft bis nach Monaco geschafft und war dann im Hafen gestrandet.

Bei uns wurde nach teils hektischen Telefonaten sofort ein Zugfahrzeug mit Hänger startklar gemacht und ab ging es Richtung Süden. Nach einer durchfahrenen Nacht erreichten wir morgens Monte-Carlo. Das Gefühl war unbeschreiblich. Völlig gerädert, aus dem Winter kommend fuhren wir in das frühlingshafte, mondäne Monte-Carlo, um plötzlich vor dem Hotel eine Armada von verdreckten, teilweise arg ramponierten Fahrzeugen vorzufinden. Von Fabian und Claudia wurden wir erst einmal zum Frühstück mit Blick aufs Meer eingeladen. Danach ging es an die Bergung des havarierten Healeys. Kurz bevor wir Richtung Heimat aufbrachen, gesellte sich noch Kurt aus der Pfalz zu uns. Er wollte sich mit seinem MGA, der nur noch auf 3 Zylindern lief auf der Rückfahrt bei uns einklinken. Kein Problem, alles Gepäck kam zu uns in den VW-Bus und leicht bekleidet starteten Kurt und ich hinter unserm Bus Richtung Norden.

Leider verloren wir bei einer Abfahrt den Kontakt zu unserem Zugfahrzeug und waren plötzlich auf uns alleine gestellt. Ohne ausreichend Klamotten und nur mit dem nötigsten Geld in der Tasche. Es wurde saukalt. Nur im Hemd ohne Heizung fuhren wir die 900 km zurück mit dem MAG, der aus dem letzten Loch pfiff. Um Mitternacht kamen wir in unserer Werkstatt völlig durchfroren an und brauchten erst mal ein paar doppelte Scotch Malts. So langsam merkte ich was Renn-Service bedeutete.

Am Healey war die hintere Achsaufhängung aus dem Rahmen gerissen und im Zuge dieser Reparatur wurden gleich alle neuralgischen Punkte verstärkt. Das Hänsel und Gretel Team war jedenfalls guter Dinge und im Frühjahr stand die Bavaria Rallye an.

Das Team formiert sich

Das Team formiert sich

Dort trat Torsten auf den Plan, ein ebenfalls Healey und Rallye Begeisterter. Wie der Zufall so spielt, stand just zu diesem Zeitpunkt wieder ein Rennschwein in der Schweiz zum Verkauf. Kurz darauf parkten 2 Renn-Healeys bei uns. Wie bei Fabians Healey gab es jedoch eine Menge zu tun, um das Fahrzeug auf die Reihe zu bringen. Parallel dazu gesellte sich Detlev aus Kronberg zu uns. Er brachte uns seinen TR3, um daraus ein Rallye-Auto zu bauen. Plötzlich waren wir ein Racingteam!

Die Alpenrallye im Sommer war der erste gemeinsame Auftritt unserer Renn-Healeys und – Geschichte wiederholt sich ­– danach war für Torsten klar, etwas „rechtes“ muss her. Der Neuaufbau eines Rennschweines ohne Kompromisse wurde beschlossen. Es wurde ein enger Zeitrahmen und ein großzügiger Finanzplan erstellt und dann ging es los.

Ein Basisfahrzeug war schnell gefunden, bei uns um die Ecke im Fahrzeugmuseum Marxzell lag ein Healey im Fundus. Er war zwar nur noch ½ Meter hoch, da noch 3 Fahrzeuge auf ihm parkten, aber er enthielt alle wichtigen Teile die wir benötigten.

Aus England kam ein neu gefertigtes Chassis, das von uns umgebaut und verstärkt wurde. Die Auspuffanlage bauten wir in den Seitenschweller. Eingekleidet wurde das Chassis von einer hauchdünnen Aluminiumkarosserie die sich um einen stabilen Überrollkäfig schmiegte. Das Fahrwerk und die Bremsen enthielten alles was gut und teuer war.

Das Getriebe erhielt eine sogenannte Tulip-Box mit verstärktem Overdrive. Ganz besonders viel Mühe steckte Gottlob in den Motor. Erleichtert, ausgewogen, verstärkt und auf jede erdenkliche Art optimiert, durch 3 Webervergaser beatmet und mit einer optimalen Auspuffanlage versehen leistete das Aggregat schließlich stramme 243 PS.

Nachdem alles angepasst, eingepasst und vorbereitet war, wurde der Roh-Healey zerlegt und zum Lackierer gebracht. Wie es immer so ist, waren wir mit unserem Zeitplan doch etwas im Verzug. Torsten und der Healey-Club wollten das Auto auf dem Clubstand der Techno-Classica präsentieren. 2 Wochen vorher war der Healey noch in alle Einzelteile zerlegt. 7 Tage vor der Dead-Line kam der Healey vom Lackierer zurück und noch viel wichtiger, mein Sohn Nick wurde geboren. Dann begann eine harte Woche. Arbeit rund um die Uhr, unterbrochen von Besuchen im Krankenhaus. An Schlaf war nicht zu denken. Aber der Healey war innerhalb von 6 Tagen fix und fertig zusammengebaut. Das war nur mit einem guten Team zu schaffen.

Doch bevor der Healey fertig gebaut wurde stand im Januar die nächste Monte an. Der englische Veranstalter hatte Torsten und mich als Marshals engagiert. Wir begleiteten die Rallye und waren für die Stempelkontrollen zuständig, was bedeutete bei Minusgraden nachts in den Seealpen stundenlang sich die Füße in den Bauch zu stehen und Bordbücher abzustempeln. Aber das Gala-Diner im Hotel de Paris war schon Klasse.

Dort reifte auch mein Entschluss einmal selbst aktiv hier mitzufahren. Die Gelegenheit dazu sollte schneller als erwartet kommen. Fabians Healey meisterte die Tortur ohne Probleme. Zurück im Schwarzwald wurde wie erwähnt Torstens Healey gebaut. Der nächste Einsatz der Healeys war die Bavaria-Rallye. Der Gewinn der Team-Wertung lies das Potential von Torstens Healey erahnen. Mittlerweile war ein passendes Service-Fahrzeug angeschafft worden. Ein günstig erworbenes Wohnmobil wurde dazu umgebaut. Um mit den Healeys Schritt halten zu können, war es von Vorteil, dass unter der Haube ein 7 Liter V8 seinen Dienst tat. Nur die Benzinrechnungen trübten die Freude etwas.

Inzwischen waren wir mit unserem Racingteam recht gut ausgelastet, da wir mittlerweile getunte Straßenhealeys fast schon in Serie bauten. Detlefs TR3 machte auch gute Fortschritte.

Wieder einmal stand die Alpenrallye an. Das Healey-Geschwader machte sich auf den Weg nach Genf, wo der Start stattfand. Dort passierte auch das erste größere Unglück unseres Teams. Torsten, im Clinch mit einem Porsche 911er kam relativ flott um eine Kurve gedriftet wo er auf den Rückstau einer Baustellenampel traf. Er schlug sich seitwärts in die Büsche, um nach einer 5-fachen Rolle verblüfft aber gottseidank unverletzt seinem etwas ramponierten Healey zu entsteigen.

Kurzer Anruf bei uns in der Werkstatt, und Harald machte sich mit dem Trailer auf den Weg. In der Werkstatt stellte sich nach der ersten Begutachtung heraus, dass der Schaden schlimmer aussah als er war. Chassis, Überrollbügel, Achsen, Motor und Getriebe waren völlig unbeschädigt, nur die Aluminiumhaut musste erneuert werden. Innerhalb kürzester Zeit war er wieder wie neu.

Zwischenzeitlich stürzte sich Fabian ins nächste Abenteuer, kurz Classic-Marathon genannt. Quer durch Spanien bis nach Afrika, runter bis Casablanca, weiter nach Marakesch und durchs berüchtigte Riff-Gebirge wieder zurück. Lockere 7000 km. Der Healey wurde wieder und wieder durchgecheckt und dann ging es los. Die nächsten Tage herrschte atemlose Spannung bis plötzlich ein dumpfes Röhren auf unserem Hof erklang. Hänsel und Gretel hatten es geschafft und der Healey hatte alle Strapazen anstandslos gemeistert.

Im Herbst fuhren wir mit mehreren Fahrzeugen zur Eifel-Klassik, einer sehr schönen Veranstaltung am Nürburgring mit seiner legendären Nordschleife. Bei typischem kalten und feuchten Eifelwetter erlebten wie ein turbulentes Wochenende.

Mittlerweile war Detlefs TR3 einsatzbereit. Mitten in den letzten Arbeiten fragte mich Detlef ob ich nicht Lust hätte, mit ihm die Monte zu fahren. Na, die Antwort brauchte ich mir nicht lange zu überlegen. Bis dahin war jedoch noch etwas Zeit.

Einmal Monte Carlo hin und zurück

Rallye Monte Carlo

Rallye Monte Carlo

Wieder zu Hause blieb jedoch keine Zeit zum Trübsal blasen, die Monte stand vor der Tür. Zu allem Übel musste Detlev auch noch seinen Deckel wegen allzu flotten Fahrens abgeben und ich wurde kurzerhand vom Beifahrer zum Fahrer beordert. Zusammen mit Fabian und Claudia starteten wir in Bad Homburg Richtung Monaco.

Zum ersten mal live dabei kann ich nur sagen, es wurde sagenhaft! Bis in der letzten Nacht plötzlich die Lichtmaschine ausfiel. Kein Problem dachte ich, Neuteil lag im Kofferraum. Nachdem die Lichtmaschine in Rekordzeit gewechselt war, stellte sich jedoch heraus, dass sie nicht funktionierte. Zum Glück war der Verkäufer nicht in meiner Nähe.

 

Gala-Diner

Gala-Diner

Abgeschlagen und abgekämpft erreichten wir dennoch Monte-Carlo und die anschließende Feier wird mir ewig in Erinnerung bleiben.

Wie üblich fand das Gala-Diner im Hotel De-Paris statt, aber danach strömten ca. 300 Teilnehmer im leicht nach Benzin riechenden Smoking zu Rosis Bar, einer echten Rennfahrerkneipe die vielleicht platz für 80 Leute hat. Die Meute stand in Fünferreihen auf dem Bürgersteig vor der Bar, das Bier wurde ununterbrochen über die Köpfe nach hinten durchgereicht bis sich die ersten um 4 Uhr in der früh nicht mehr auf den Beinen halten konnten und sich Richtung Hotelbett davonmachten. Unglaublich!

24-Stunden Rennen Paul-Ricard

24-Stunden Rennen in Paul-Ricard, Südfrankreich

Aufregung kam von einer ganz anderen Seite. Volker Erdle, auch ein Urgestein der Healey-Szene rief mich wegen einem ganz speziellem Event an. In Paul-Ricard in Südfrankreich wurde ein 24-Stunden Rennen für klassische Fahrzeuge ausgetragen und er und sein Freund Michael Graf wollten mit Volkers altem Renn-Healey daran teilnehmen. Ob ich wohl Lust hätte als Mechaniker mit dabei zu sein. Die Frage war natürlich völlig überflüssig.

Volker hatte seinem Healey einen neuen Motor verpasst und mit einem Auto voller Reifen und Ersatzteilen ging es los nach Südfrankreich. Da Volkers Vorbereitungen etwas zeitknapp war, musste der neue Motor auf der Autobahn noch eingefahren werden. Ganz wohl war mir bei der Aktion jedoch nicht, ein nicht ausreichend getestetes Auto in ein 24-Stunden Rennen zu schicken, erschien mir doch reichlich gewagt.

An der Rennstrecke, die noch den Charme der 70er verströmte, fanden wir eine nette Unterkunft und ein Restaurant wo es sagenhafte gegrillte Steaks gab. Im Training erwischte es uns dann eiskalt. Kolbenfresser! Nachdem wir stundenlang versucht hatten Ersatzteile aus Deutschland einfliegen zu lassen, griffen wir zur letzten Möglichkeit. Über nacht wurde der Motor zerlegt, so gut es ging der Schaden behoben, 1 Zylinder stillgelegt und alles wieder zusammengebaut. ½ Stunde vor dem Start waren wir mit dem Auto und den Nerven fertig, aber bereits 30 Minuten nach dem Start gab der Motor endgültig den Geist auf. Grund war wie so oft ein Pfennigartikel, in unserem Fall ein defekter Verteilerfinger. Daraufhin schwor ich mir nie wieder ungetestet bei einem Rennen anzutreten.

Sixhours Spa

6-Stunden Rennen in Spa und Midnight-Run

6-Stunden Rennen in Spa

Wieder zurück war erst mal Atemholen angesagt. Die ganze Rallye-Armada musste durchgecheckt und auf Vordermann gebracht werden. Thorsten sprach ganz nebenbei erstmalig irgendwelche Einsätze auf der Rundstrecke an, was bei uns leichte Skepsis hervorrief. Mit einem Rallyeauto rechneten wir uns keine großen Chancen auf der Rennstrecke aus.

Trotz allem fuhren wir bald darauf zum Int. 6-Stunden Rennen in Spa. Ich schloss die Rennszene dort sofort in mein Herz. Viele Engländer und eine lockere Atmosphäre. Das Rennen selber war nicht sehr erfolgreich, da uns der ganze Ablauf wie Flaggenzeichen, Einfahrt zur Boxengasse, etc. noch nicht geläufig war. Allerdings war an den Rundenzeiten deutlich erkennbar, dass unser Healey gar nicht so schlecht war.

Midnight-Run

Nicht schlecht war auch Fabians neueste Idee. Er wollte einen so genannten Midnight-Run organisieren. Der Ablauf gestaltete sich recht simpel. 20 Teams, 24 Stunden Fahrzeit, ca. 1400 Km quer durch Elsass und Schwarzwald, gespickt mit jeder Menge Zeitkontrollen und das ganze natürlich völlig illegal. Wir wurden sofort mit der Organisation der Marshall-Teams beauftragt.

Die Veranstaltung wurde ein richtiger Kracher. Gestartet wurde morgens um 8 Uhr. Zielankunft war 8 Uhr am nächsten Tag. Deutsche und Englische Teams machten sich auf die Hatz. Tagsüber war das Tempo gerade noch erträglich, in der Nacht wurden die Schnitte gnadenlos angehoben. Wir als Marshalls versuchten auf der letzten Rille fahrend mittels Abkürzungen vor den Teams an den Kontrollstellen zu sein um spätestens nach 30 Minuten wieder fort zu sein, bevor irgendwelche Anwohner oder Ordnungshüter überhaupt merkten was los war. Der reine Wahnsinn. Völlig durchgeknallt brachten wir noch die Siegesfeier hinter uns bevor sich die Truppe wieder in alle Winde zerstreute.

Classic-Marathon und Nürburgring

Classic-Marathon quer durch Frankreich und Spanien

Kaum erholt stand der nächste Event an. Der Classic-Marathon quer durch Frankreich und Spanien. Das Hänsel und Gretel Team startete mit Ihrem altbewährten Healey. Plötzlich nach 4 Tagen die Hiobsbotschaft. Sie waren in Spanien auf einer Pass-Straße vom rechten Weg abgekommen, 30 Meter den Abhang hinuntergestürzt und hatten sich dabei mehrfach überschlagen. Zum Glück erlitten sie nur leichte Blessuren aber der Wagen war Totalschaden. Ab ging es mit Hänger Richtung Spanien um Team und Wrack zu bergen.

Nach einer kurzen Erholungspause und Erledigungen aller Formalitäten wurde ein kompletter Neuaufbau des Healeys beschlossen. Mit großzügiger Unterstützung der Versicherung wurde erneut ein neues Chassis samt der dazugehörigen Alu-Teile in England geordert.

Austin-Healey am Nürburgring

Damit uns zwischenzeitlich nicht langweilig wurde, schrieb sich Torsten ins 6-Stunden Rennen bei der Eifel-Klassik ein. Mit dem Fahrerteam Torsten, Volker und Mathias starteten wir bei typisch nasskaltem Wetter unser Training. Unsere Avon-reifen waren goldrichtig für das Wetter und völlig überraschend standen wir in der Startaufstellung ziemlich weit vorne. Das Rennen wurde eine stundenlange Zitterpartie, da wir mehrmals von der Spitze zurückfielen. Schöne Grüße aus dem Kiesbett. Wir mussten uns wieder nach vorne kämpfen. Die Entscheidung fiel in den letzten Minuten, als wir unseren stärksten Gegner, eine mächtige Corvette, noch überholen konnten. Wir waren Sieger! Riesengroßer Jubel und eine Siegesfeier an die ich mich nur noch dunkel erinnern kann waren die Folgen. Dies war übrigens der erste Gesamtsieg überhaupt in einem Langstreckenrennen für die Marke Austin-Healey.

Schneechaos in den Seealpen

Kurz danach stand schon wieder die Monte an. Das Hänsel und Gretel Team im Healey und Detlev und ich im TR3. Start in Bad Homburg bei starkem Schneefall und es sollte noch schlimmer kommen. Wir kämpften uns prakisch den ganzen Weg bis nach Monaco im Schneesturm vorwärts. Teilweise wurde die Rallye-Strecke umgeleitet, weil kein durchkommen mehr war. Die Seealpen versanken im Schnee und wir mittendrin. Nach etlichen schlaflosen Nächten erreichten wir aber dennoch unser Ziel. Schampus, Siegesfeier und danach ging es gemütlich nach Hause.

Die kommende Saison versprach recht hektisch zu werden, da wir uns in einem Anfall von geistiger Umnachtung überreden ließen, eine TVR und CATERHAM Vertretung zu übernehmen. Mit einem selbst aufgebauten Caterham Super-Seven starteten wir in der Caterham-Yokohama-Challenge. 7 Rundstreckenrennen mit viel Konkurenz standen auf dem Plan. Trotz allem konnten wir am Ende die Meisterschaft für uns entscheiden.

Parallel dazu gingen unsere Rallye-Einsätze weiter. Bei der Bavaria-Rallye gewannen wir die Teamwertung mit den beiden Rennschweinen. Plötzlich kündigte sich hoher Besuch bei uns in der Werkstatt an. Michael Darcey, trinkfester Engländer und leidenschaftlicher Sammler von originalen Werksrennwagen war mit seinem Werks-Healey XJB 876 verunfallt und stellte sein Auto bei uns zur Reparatur ab.

Werks-Healey XJB 876

Werks-Healey XJB 876

Das war das original Siegerauto der 61er Ralley des Alpes. Ein paar Schweißarbeiten und er war wieder wie neu. Die abschließende Probefahrt war schon etwas Besonderes. Auf dem Gestühl platz zu nehmen wo die Morley-Brothers, Pat Moss und Timo Makinen gesessen hatten, verlangte einem doch etwas Ehrfurcht ab. Der leicht angegammelte Innenraum verströmte einen Hauch der Good old days. Für uns war das eine gute Gelegenheit, sich ein paar Umbautricks der Werksmannschaft von damals abzuspähen. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass die heutigen Autos weit besser in Fahrverhalten und Motorleistung als die Originale von damals waren.