24-Stunden Rennen in Paul-Ricard

Kaum zurück begann schon die Planung für das nächste Großereignis. Das 24-Stunden Rennen in Paul-Ricard sollte erneut angegangen werden.

Aufgrund der Erfahrung vom letzten mal, sollte alles etwas professioneller vorbereitet werden. Kurt Sturm hatte einen MGA von Volker um- und aufgebaut. Torsten stellte seinen Healey zur Verfügung. Volker, Kurt und Hans-Michael wollten auf dem MGA fahren, Fabian, Mathias und Isabel teilten sich das Steuer des Healeys, wobei Torsten als 4er Fahrer auf beiden Autos fahren wollte. Uns oblag natürlich die Organisation.

7 Fahrer, 2 Mechaniker und 2 Helfer mussten untergebracht, versorgt und organisiert werden. Allein das Transportvolumen war gigantisch. 36 Reifen, Berge von Ersatzteilen, Kanister, Werkzeug etc. Für den Healey wurde eilends ein neuer Einsatzmotor aufgebaut. Leider erlitt er beim Einfahren wegen eines defekten Vergasers einen Kolbenfresser. In einer dramatischen Notaktion wurde über Nacht der Motor von Gotlob neu revidiert um beim ersten Hahnenschrei im Morgengrauen wieder startbereit zu sein.

Schließlich war alles verstaut und die Karawane setzte sich in Bewegung Richtung Südfrankreich. Nach dem Einrichten der Box standen auch schon die ersten Trainingsläufe an. Der Healey lief wie geschmiert und Mathias brannte eine Qualy-Runde nach der anderen in den Asphalt, was dafür sorgte das sich abends die gesamte Porsche Fraktion etwas ratlos vor unserer Box einfand, da sie alle hinter unserem Healey starten mussten.

Uns war allerdings klar, dass wir dieses Tempo nicht permanent durchhalten konnten. Der MGA hatte sich gut im Mittelfeld platziert. Ein anderer Healey eines deutschen Teams hatte sich nach dem Training mit gebrochener Nockenwelle verabschiedet. Das Rennen entwickelte sich für uns Mechaniker zur Belastungsprobe: 2 Autos permanent betanken, Reifen und Bremsbeläge wechseln. Dem MGA wurde während des Rennens die Kopfdichtung erneuert. Beim Healey mussten wir in Rekordzeit die gebrochene Kupplungsscheibe wechseln – kurzum wir hatten keine ruhige Minute. Aber beide Autos kamen gut ins Ziel und zum Glück konnte ich ein paar Tage Urlaub anhängen.

Auf der Tulpenrallye

Die Tulpenrallye in Holland klingt nur nach Blumenpflücken

Damit keine Wehmut aufkam, hatte sich Torsten umgehend bei der Tulpenrallye angemeldet, einer sehr anspruchsvollen Veranstaltung in Holland, einst von dem unvergessenen Gatsonidis ins Leben gerufen. Eben diesen Gatsonidis, kurz Gatso genannt, traf ich eines Nachts bei der Monte auf einem Parkplatz, wo er gerade seinen 80. Geburtstag feierte. Crazy old man!

Torsten übernahm seinen einsatzbereiten Healey und startete nach Holland. Start war morgens um 8 Uhr. Mittags plötzlich ein Anruf „Die Reifen halten nicht! “. Unglaublich, die Reifen waren nagelneu gewesen. Also nichts wie los, 4 neue Reifen auf die Ersatzfelgen aufgezogen und auf nach Holland. Abends trafen wir uns auf einem Parkplatz und ich war bass erstaunt. Torsten hatte es doch tatsächlich fertiggebracht einen neuen Satz Reifen innerhalb eines Tages bis auf die Leinwand runterzufahren. Sofort wurden die Räder montiert und Torsten der Ratschlag erteilt es etwas langsamer angehen zu lassen.

Kaum zurück aus dem Land des Käses und der Blumen wurde Torstens Healey für die Korsika-Rallyy fit gemacht. Korsika, das hieß endloses Kurvengeschlängel, fast keine Geraden und jede Menge freilaufender Wildschweine. Torsten wollte schon 1 Woche früher anreisen um das Gelände zu erkunden. Da ich mittlerweile Torstens Fahrstil kannte, war mir gar nicht wohl dabei.

Am Tag vor dem Start erreichte uns auch prompt Torstens Hilferuf. Keine Traktion mehr an der Hinterachse. Umgehend eine Antriebswelle samt Kleinteilen unter den Arm geklemmt, ging es mit Karacho nach Straßburg, dort via Paris nach Korsika, wo in einer Nachtaktion die Antriebswelle erneuert wurde und der Healey pünktlich zum Start rollte. Was tut man nicht alles um die Räder am laufen zu halten.

Zurück aus dem sonnigen Süden hatten wir nicht einmal genug Zeit um tief Luft zu holen. Fabians nächster Midnight-Run stand an. Genauso verrückt und illegal wie beim ersten Mal. Allerdings nahmen Detlev und ich im TR3 als Teilnehmer daran teil. Heute noch gerate ich ins Schwärmen von der Erinnerung, wie wir in einer lauen Vollmondnacht volle Kanne über den Grand-Balon geflogen sind. Wir sind gefahren was die Kiste hergab. Der pure Wahnsinn.

Torsten wollte dem natürlich nicht nachstehen und organisierte den sogenannten Hannibal-Run. Wie seinerzeit Hannibal ging die Fahrtroute kreuz und quer über die Alpen. 2 volle Nächte lang, mit einer Ruhepause tagsüber für Mensch und Material. Wolkenbruchartige Unwetter stürzten uns ins reine Chaos. Trotz allem kamen alle ins Ziel, etwas blaß um die Nase aber doch froh, alles heil überstanden zu haben.

Walter Röhrl, Eifel-Klassik

Der Weltmeister

Und dann kam der Knaller für unser Team. Der Meister himself, Walter Röhrl, erklärte sich bereit bei der Eifel-Klassik in unserem Healey anzutreten. Schnell wurde ein Testwochenende auf dem Hockenheim-Ring arrangiert, wo er sich mit dem Wagen vertraut machen konnte. Sehr angenehm war die Art der Zusammenarbeit – Zitat „ i bin der Walter“. Walter war sehr angetan von unserem Healey, was sich in dem Kommentar ausdrückte „des basst scho“.

Und dann kam die Eifel-Klassik. Wie üblich feucht und kalt präsentierte sich der Nürburgring von seiner besten Seite. Walter gab die Marschrichtung fürs Wochenende vor: Hauptsache Spaß! Uns war natürlich allen klar, dass der Spaß umso größer wäre, wenn wir vorne mit dabei währen. Sir Stirling Moss gab sich ebenfalls die Ehre und startete in einem COBRA-Coupe des ATS-Teams.

Testwochenende auf dem Hockenheim-Ring

Testwochenende auf dem Hockenheim-Ring

Die Presse stand Kopf wegen des Duells Moss/Röhrl. Uns war aber klar, dass unser wirklicher Gegner Denish Welch hieß und ebenfalls auf Austin-Healey antrat. Das Training lief super und wir starteten aus der 1 Reihe neben Denish. 180 Autos waren am Start, aufgeteilt in 3 Startfelder a 60 Autos. Die Renndistanz ging über 12 Runden Nordschleife.

Start war Sonntag morgens, bei leichtem Nebel. Unser Startfeld ging los, 3 Minuten später das 2. Startfeld, wiederum 3 Minuten später das 3. Startfeld. Dann war 5 Minuten Totenstille bis die ersten Wagen wieder bei Start/Ziel auftauchen würden. Atemlose Spannung lag in der Luft. Plötzlich ein fernes Motorengedröhn und dann tauchten am Anfang der Zielgeraden 2 Healeys auf. Rad an Rad fuhren Welch und Röhrl vorbei und dann war wieder Totenstille bis nach einer knappen Minute die nächsten vorbeifuhren. Die Healeys hatten dem gesamten Feld in einer Runde fast eine Minute abgenommen. Absolut phänomenal. So ging es weiter bis plötzlich in der 8. Runde Walter an die Box gefahren kam. Kupplungsscheibe gebrochen. Vortrieb noch vorhanden, Kuppeln nicht mehr möglich. Da die Reparatur unmöglich war schickten wir Walter wieder auf die Strecke mit dem Rat das Beste daraus zu machen. Und dann zeigte sich das Talent eines wahren Könners. Ohne zu kuppeln schaffte es Walter trotz allem einen 6. Gesamtplatz von 180 Autos herauszufahren. Dieses Wochenende mit Walter Röhrl gehört zu meinen besten Erfahrungen. Seither pflegen wir ein freundschaftliches Verhältnis. Abgekämpft aber glücklich sammelte sich die Armada wieder im Schwarzwald.

Kaum 3 Wochen später verschlug es mich schon wieder an den Nürburgring. Mike Riedner, ehemaliger Chefredakteur der Motor-Klassik und langjähriger Oldtimer-Rennfahrer, dessen Race-MGB wir in der Betreuung hatten, wollte beim 750-Meilen Rennen antreten. Gemeinsam mit Andre Soler und Moritz Müssig wollte er die 9 Stunden in Angriff nehmen. 9 Stunden im Race-Tempo ist eine enorme Belastung, aber der MGB lief wie ein Uhrwerk und wir peitschten das Team auf einen sensationellen 5. Gesamtplatz.

LE-JOG

British Sportsmanship

Dann kam der nächste Akt. Im Sommer hatten Detlev und ich uns zur Rallye LE-JOG in England im TR3 angemeldet. Torsten sprang als Fahrer bei Willi Potjans ein und pilotierte einen BMW.

LE-JOG war eine Langstreckenrallye vom südlichsten bis zum nördlichsten Punkt in England. 3000 km auf Nebenstrecken und Feldwegen mit extrem verzwickter Navigation. Dass es hart kommen würde, vermuteten wir bereits, aber dass es so hart werden würde, ahnten wir nicht im geringste.

Los gings mit der gemütlichen Anreise nach Lends-End. 1000 Km in einem Rutsch. Ankommen am Spätnachmittag, Papiere und Unterlagen abgeholt, danach eine typisch englische Welcome-Party bis in die Nachtstunden, Start morgens um 8 Uhr und dann nonstop 36! Stunden kreuz und quer durch Mittelengland, nachts bei Reifglätte durch Wales um dann eine Pause von 8 Stunden zu haben. Hier konnte man essen, reparieren und schlafen, um dann erneut 26 Stunden durch Schottland bis nach John O`Groates zu rasen, inklusive einer Flußdurchfahrt, wo der Triumph fast abgesoffen wäre. Ankunft zum Früstück inkl. dem guten Guiness, um dann mausetot ins Bett zu fallen. Abends dann Party in einer Turnhalle mit einem ausgiebigen Barbesuch mit unseren neuen englischen Freunden, die überrascht waren dass wir als nicht Einheimische doch unsere Klasse gewonnen hatten.

Zu allem Unglück hatte Detlev am nächsten Nachmittag einen Gerichtstermin. Das bedeutete in aller Herrgottsfrühe wieder aufstehen, nach Glasgow zum Flughafen fahren, Detlev in den Flieger setzen und mutterseelenallein von Schottland nach Hause fahren. 7000 Km in 8 Tagen. Ich war selten so froh wieder heil zu Hause zu sein.

Mini-Monte-Pech

Im Januar folgte die nächste Monte. Das Hänsel und Gretel-Team fuhr selbstverständlich im Healey. Da die Monte untrennbar mit den Minis verbunden war, hatten Harald und ich uns einen Rallye-Mini aufgebaut, mit dem wir zusammen mit Fabian und Claudia gegen Süden starteten. Alles lief super bis kurz vor Monte-Carlo. Praktisch fast am Ziel in der letzten Sonderprüfung schafften wir das Kunststück mit Fabians Healey zusammenzustoßen.

Eine Abzweigung war so versteckt, das 90 % der Teilnehmer daran vorbeifuhren. Wir erwischten zwar den richtigen Abzweig, aber ich war überzeugt, falsch gefahren zu sein, also zurück. Leider erwischte Fabian als Profi natürlich auch den richtigen Abzweig und es kam was kommen musste. Mitten im Scheitelpunkt einer Kurve konnten wir uns noch kurz in die Augen schauen bevor es krachte. Der Mini erreichte Monte-Carlo noch aus eigener Kraft, der Healey war außer Gefecht gesetzt. Beide Autos traten die Heimreise unrühmlich auf dem Trailer an. Als Trostpflaster erhielten wir einen Gutschein für ein Wochenende im Dorinth-Hotel am Nürburgring.

Als wir diesmal von der Monte zurück waren stellten sich doch langsam erste Abnutzungserscheinungen bei Mensch und Maschine ein. Wir hatten die Rennaktivitäten über Jahre so intensiv betrieben, das beim ein oder anderen manches auf der Strecke blieb. Detlevs Anwaltskanzlei beanspruchte mehr Zeit, Torsten musste sich mehr um sein Business kümmern, Fabian und Claudia wollten auch etwas kürzer treten. Auf der Rundstrecke war ersichtlich, dass die große Zeit der Healeys zu Ende ging.

Torstens Healey wurde kurze Zeit später verkauft, Fabians Healey etwas später, Detlevs TR3 machte es sich bei uns in der Werkstatt gemütlich, und so ging wie schon einmal in den 60er Jahren die Zeit der Rallye-Healeys zu Ende. Etwas wehmütig erinnern wir uns alle an die wilden Jahre und ich kann es nur treffend mit den Worten des legendären Teamchef Allan Turner sagen: GREAT DAYS !!!!

Alles vorbei und vergessen? Beileibe nicht, kurze Zeit später stürzten wir uns wieder ins Renngeschehen, mit E-Types erlebten wir viele spannende Momente, wir betreuten mehrere SPORTS 2000, konnten verschiedene Meisterschaften einfahren, sind zur Zeit erfolgreich mit einem TR4 im Einsatz, betreuen ein jung-dynamisches Alfa-Team, Fabian hat sich wieder einen Rallye-MGB GT aufbauen lassen, Karlheinz Piller und Knut Henneke verschüren einen Triumph um den anderen, Bernd Breuer lässt sich gerade einen neuen Rallye-MGB GT aufbauen, Detlev befindet sich im Moment auf einer Segelrallye Round-the-World, doch das alles ist wieder eine andere Geschichte.