6-Hours of Spa – 2014

berichtet von Jochen Extra,  fotografiert von Andre Dieckhoff

Wie jedes Jahr zum Saisonende riefen die 6-Hours und alle kamen. Das Extra-Mobile-Racing-Team natürlich auch. Allerdings hatten wir dieses Jahr eine Doppelbelastung. Einerseits unterstützte ich, wie gewohnt, das Rothenberger Team mit Ihrem wunderschönen Jaguar C-Type, andererseits starteten wir auch mit dem sehr erfolgreichen TR4 des Teams Mutschler/Marcovac, die sich zur Verstärkung ihren englischen Freund Brian geholt hatten.

Anreise am Mittwochabend mit dem C-Type im Anhänger. Donnerstag dann technische Abnahme beider Wagen und bestaunen der weiteren Rennautos. Jedes Mal aufs Neue unbeschreiblich, was hier aufgefahren wird. Rene traf am Nachmittag mit dem Rothenberger Team-Bus ein, was unsere Nachschubsorgen an Bier und Essen mit einem Schlag erledigte.

Am Freitag dann die ersten Trainigsläufe und erste Aufregung. Am C-Type war im Training der Getriebedeckel gebrochen. Zum Glück war meine Mannschaft, die mich unterstützen wollten, noch nicht losgefahren. Ein Ersatzdeckel wurde bereit gemacht und traf mit meiner Helfertruppe am Freitagabend ein. Das Training für die 6-Stunden mit dem TR4 verlief zufriedenstellend. Nach dem Training war erst mal unser traditionelles Parkplatzgrillen angesagt.

Nach einer kurzen Nacht wurde in aller frühe der Getriebedeckel des C-Types montiert und das Auto für das 1-Stundenrennen der Woodcote-Trophy fertiggemacht. 11.30 Start und bis zur vierten Runde lief alles super. In der 5 Runde rollte Helmut Rothenberger jedoch direkt an der Boxenmauer aus. Der Schaltdeckel war erneut gebrochen. Ärgerlich, aber ‚thats racing‘.

Parallel dazu mussten am TR4 neue Reifen und neue Bremsbeläge fürs Rennen montiert werden. Die große Unsicherheit war das Wetter. Es waren Gewitter angesagt, aber beim Start war noch gutes Wetter. Der Start wie immer sagenhaft. GT40, Cobras, E-Types vorneweg und ein Feld von fast 100 Autos donnern die Zielgerade entlang. Der TR4 kämpfte sich durchs Feld. Ab 17:30 Uhr verdunkelte sich der Himmel und es begann zu regnen, dann begann es zu schütten und dann ging die Welt unter. Wassermassen ohne Ende, wir waren bald durchnässt bis auf die Knochen.

Die Dickschiffe hatten extreme Traktionsprobleme, was uns kleineren Fahrzeugen natürlich einen Vorteil brachte. Der erste Fahrerwechsel verlief ohne Probleme, Brian, der den Startstint gefahren hatte, wurde von Klaus-Peter abgelöst. Mittlerweile gab es massiv Ausfälle aufgrund von Kaltverformung. Plötzlich erschien unser TR4 außerplanmäßig in der Box. Klaus-Peter war beim Überholen eines Austin-Healeys abgeschossen worden und landete heftig in der Leitplanke. Schäden an drei Ecken, die Hälfte der Beleuchtung hinüber, Reifen nicht mehr freigängig. Der linke hintere Kotflügel hatte überlebt. Zum Glück waren keine wichtigen Teile wie Achsträger oder Kühler beschädigt worden. Nachdem wir mit einem großen Hammer für den Freigang der Räder gesorgt hatten, wurde Klaus-Peter wieder in die Schlacht geworfen, aber wir hatten bestimmt zwei Runden verloren.

Ab 8:00 Uhr wurde es zum Regen auch noch dunkel und Uwe fiel die Aufgabe zu, den TR nur mit einem Scheinwerfer im Regen durch die Nacht zu steuern. Später gestand er mir, dass er manchmal nicht wusste, ob er überhaupt noch auf der Strecke war.

Eine halbe Stunde vor Schluß wurde das Rennen abgebrochen, nachdem das Safty-Car mehrfach ausrücken musste.

Abgekämpft, völlig groggy aber trotzdem mit bester Laune wurde noch das ein oder andere Bier in der Box getrunken, die Stimmung war eigentlich wie immer sehr gut. Sonntag morgen wurden die waidwunden Fahrzeuge verladen und wir verabschiedeten uns von unseren vielen Freunden.

See you next year !!!!

 

Le Mans Classics 2014

LE MANS Classics 2014, 4. bis 6. July

berichtet und fotografiert von Jochen Extra

Alle zwei Jahre wird im Anschluß an das 24-Stunden Rennen von Le Mans auf der noch abgesperrten Originalstrecke die Le Mans Classics ausgetragen. Eine Oldtimer Rennveranstaltung zu der nur Fahrzeugtypen zugelassen sind, die schon einmal in Le Mans gestartet sind. Aufgeteilt in 6 Starterfelder (Grids) die nach Baujahr zusammengefasst sind, gehen rund 450 historische Rennwagen abwechselnd auf die knapp 14 km lange Strecke. Jedes Grid hat drei Turns von ca. einer Stunde Fahrzeit. Die gefahrenen Zeiten und Platzierungen werden zum Schluß zusammengefasst.

Eine unglaubliche Veranstaltung.

Das Rothenberger Racing Team hat sich 2014 mit einem Invicta und einem Shelby 3500 angemeldet und wie schon 2012 war ich als Mechaniker im Team. Wir starteten am Mittwoch morgens um 5 Uhr, da wir stilecht mit dem Rothenberger Race-Transporter, einem historischen Bristol-Bus, der in der Vergangenheit einem Lotus-Team als Transporter gedient hatte, unterwegs waren. Robert und Phillip, meine Mechanikerkollegen waren in einem 7,5 Tonner im Schlepp dabei, der unsere gesamte Ausrüstung sowie einen Haflinger als Boxenfahrzeug geladen hatte.

Um 16 Uhr kamen wir in Le Mans an und machten erst mal im Super-U halt um die wichtigsten Grundnahrungsmittel wie Bier, Champagner und Grillgut einzukaufen. Danach bezogen wir unseren Standplatz im Fahrerlager. Der LKW mußte außerhalb im Camp-Ground parken. Der Bristol war in bester Gesellschaft, links der Ecurie Ecosse Transporter mit einem C-Type, rechts der John Wyer Transporter mit einem Gulf 917 Porsche und wir mittendrin.

Ein erster Rundgang bestätigte das hohe Niveau der Veranstaltung. Alleine das Jaguar Aufgebot war atemberaubend. 5 C-Types, 6 D-Types, 14 Race E-Types, 6 Lister-Jaguars, 7 Race-XK sprechen für sich. Die Grillabende zogen sich etwas in die Länge und der Schlaf kam etwas zu kurz. Am Donnerstag war Anmeldung, Papierabnahme, Startnummern aufkleben und Technische Abnahme. Es gab wenig zu tun und viel zu schauen. Alles was jemals mit Le Mans zu tun hatte, war vertreten: Cobras, Bentleys, Ford GT40, Porsche in allen Variationen, Sauber, Chevron, Lola … und, und, und.

Am Freitag standen die ersten Trainingsläufe an und damit erste Hektik. An beiden Autos stellten sich Aussetzer auf der langen Hunaudieres-Geraden unter Vollast ein. Wir konnten relativ schnell schadhafte Benzinpumpen feststellen und ersetzen. Das Testen auf der Landstraße gestaltete sich jedoch etwas abenteuerlich, da wir den vierten Gang voll ausfahren mussten (ca. 120 Meilen!!) Zum Glück ist die Polizei im Umfeld der Veranstaltung etwas großzügig. Nach dieser Reparatur liefen die Autos wie ein Uhrwerk.
Unser Transporter war natürlich Anlaufstelle für viele Bekannte des Teams und in der Bus-Lounge. Thema: Men, Cigars and Alkohol only. Es wurden dicke Zigarren abgeraucht und man hatte den Eindruck, der Bus brennt ab.

Am Samstag dann endlich der Renntag. Die Spannung stieg permanent, bis unser Grid 1 (Vorkrieg) in die Startaufstellung gerufen wurde. Für die Zuschauer wurde ein klassischer Le Mans Start durchgeführt, das Startfeld wurde jedoch wieder vom Pace-Car eingefangen und nach einer geführten Einführungsrunde fliegend gestartet. Helmut Rothenberger konnte sich recht schnell in die Spitzengruppe vorarbeiten. Mit Rundenzeiten von 6.40 Min. konnten wir bis auf den fünften Gesamtplatz vorfahren. Pro Turn war ein Fahrerwechsel vorgeschrieben, Gaetan Woitrin übernahm das Steuer und legte sogar noch etwas zu bei den Rundenzeiten.
Nach Abwinken des Turns wurde das gesamte Startfeld in Formation durchs Fahrerlager in die Boxen geführt. Ein großes Spektakel für die Zuschauer.

Dann gab es Arbeit für uns Mechaniker. Das Auto mußte komplett durchgesehen, betankt und für den nächsten Turn fertiggemacht werden. Der Liter Sprit lag etwas über 4 Euro.
Der zweite Turn fand mitten in der Nacht statt, lief aber wie der erste völlig problemlos durch.
Der dritte Turn folgte dann am Sonntag morgen, ebenfalls völlig problemlos. Allerdings führte ein starker Regenguss zu teilweise abenteuerlichen Fahreinlagen. Auch wir büßten durch einen Dreher unseren vierten Platz ein und wurden dennoch hochzufrieden Fünfter.

Mein Respekt vor unseren Fahrern stieg gewaltig. In einem Vorkriegsrenner ohne Gurte und ohne Überrollbügel Geschwindigkeiten von annähernd 200 km/h zu fahren, Dreher abzufangen und das im Regen: Respekt.

Der Shelby hatte sich ebenfalls sehr gut plaziert, und so war die Stimmung bestens.
Meine eigene Stimmung wurde noch besser als ich mitbekam, das Jochen Mass einen Porsche 911 RSR pilotierte und dabei einen prominenten Partner hatte. Brian Johnson, motorsportbegeisterter Frontman der Rockgruppe AC/DC. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und als echter Rock`n Roller hatte er auch Zeit für ein Bier und ein Gespräch über die wichtigen Dinge, wie gute Musik und schnelle Autos. Er war voll des Lobes über die Veranstaltung und über sein „great fucking german car“.

Am Sonntag nachmittag wurde dann alles verladen und sobald das Fahrerlager geöffnet wurde, traten wir unseren langen Heimweg an. Kurz vor Reims übernachteten wir noch einmal, um dann am Montag wieder zurück zu sein.

Im Nachhinein kann ich nur sagen, eine tolle Veranstaltung optisch wie akustisch. Das muß man erlebt haben, wenn ein Rudel Cobras und GT40 mit vollem Druck die Start-Zielgerade durchfährt und man das Gefühl hat der Beton bröckelt von der Boxenmauer! Racing at its best!

Mit Sicherheit einer der Höhepunkte meiner diesjährigen Rennaktivitäten.

Zu Gast bei EXTRA MOBILE

Das allseits bekannte und beliebte Gesangsduo Marshall und Alexander machte Station bei uns, um eine Fotoreihe für seine Tournee zu machen. Da beide ein Faible für Oldtimer haben, bot sich unsere Werkstatt-Atmosphäre ideal dafür an. Jay Alexander fuhr schon einige Oldtimerrallyes in unserem Team mit.

Test- und Einstellfahrt Nürburgring am 23. März 2014

berichtet von Jochen Extra

Wie jedes Jahr bot die FHR (Fahrergemeinschaft historischer Rennsport) auch 2014 am Anfang der Rennsaison ihren Testtag auf dem Nürburgring an. Er wird von vielen genutzt um neue oder über die Winterzeit verbesserte Rennwagen ohne den üblichen Rennstress zu testen und abzustimmen.

Auch wir nutzten die Gelegenheiten, um den Jaguar C-Type des Rothenberger Teams einer ersten Bewährungsprobe zu unterziehen.

Nachdem sich in der letzten Saison Schwachstellen im Bereich Bremsen und Fahrwerk herausgestellt hatten, nutzten wir die rennfreie Zeit, um die gesamte Bremsanlage zu optimieren und das Fahrwerk zu überholen und zu verbessern.

Es waren drei Turns von jeweils 45 Minuten zum Fahren vorgesehen, und schon nach den ersten Runden zeigte die Stoppuhr, dass unsere Bemühungen nicht umsonst gewesen waren. Der C-Type rannte wie die sprichwörtliche Sau, die Stoßdämpfer wurden noch etwas härter eingestellt und dann wurde die gesamte Zeit gefahren, was das Zeug hielt. Außer einem kleinen Ausflug ins Kiesbett gab es keine Probleme. Erleichterung machte sich breit – mit viel Vorfreude auf die kommende Saison.

Ebenfalls dabei waren zwei Invictas, Gulliver und Speedy, zwei ehemalige Werksrennwagen. Speedy soll diese Saison bei der Le-Mans- Classic an den Start gehen, wurde bei den Testfahrten jedoch durch eine undichte Wasserpumpe früh eingebremst, während Gulliver ohne Mucken seine Turns absolvierte.

FHR Test- und EinstelfahrtEs gab auch noch eine erfreuliche Begegnung am Rande. In der Box neben uns fand sich Oliver mit seinem Race E-Type ein. Dieses sehr schöne Auto hatten wir vor Jahren für Oliver nach einem kapitalen Crash neu aufgebaut und witzigerweise gewannen wir damals noch vor dem ersten Rennen einen Designpreis für das schönste Rennauto von Design-Guru Prof. James Kelly. Es gab einiges zu erzählen und ich freute mich richtig diesen E-Type wieder mal in Aktion zu sehen.

Spätnachmittags wurde die Box geräumt, alle Autos verladen, und es war deutlich zu spüren, wie alle auf die neue Saison fiebern. Mal schauen, was das Jahr so bringt.