Veranstaltungsmarathon Herbst 2015

Teil 1     Mille Fiori   vom 2. – 5. September

Die Mille Fiori bestritt ich, wie schon die Jahre zuvor, mit meinem Freund Bernd Breuer und seinen Autos. Allerdings war dieses Jahr das Extra-Mobile Team stark vertreten.

  • Bernd und Max Breuer im E V12
  • Margot Breuer und ich im XJS
  • Jay Alexander im Porsche 356
  • Joachim Kramer und Peter Nonnenmann im Austin Healey
  • Jochen und Stephanie Benzinger im E-Type S2
  • Dieter und Sabine Becker im E V12

Anreise war wie üblich am Dienstag Abend zum lockeren Vorabtreff.

Mittwoch folgte dann der Start von der Mainau zur ersten Etappe ‚Alpensprung‘ mit ca. 300 km über Säntis, Via Mala, Bernhardino-Pass an den Lago Maggiore nach Minusio ins Hotel Esplanada, wo wir zwei Übernachtungen hatten.

Am Donnerstag fuhr die Etappe ‚Dolce Vita‘ mit gemächlichen 90 m über Centovalli, Malesco, Valle Cannobina, Traffiurne und Cannobio zurück ins Esplanada.

Am Freitag fuhren wir die Etappe ‚Pässefahrt total‘, 270 km: über die Schweiz nach Flüeli-ranft, über den Simplon, den Furka und den Grimsel-Pass.

Das war auch der Tag an dem eines unserer Autos Zicken machte. Nach der Mittagspause streikte an Dieters E V12 der Anlasser. Dabei hatte die Katze gerade eine längere Genesungskur in unserer Werkstatt hinter sich. Bei einem Automatikauto natürlich eine blöde Sache. Also den Begleitabschleppwagen organisiert und huckepack ins Hotel. Allerdings plagte die Katze wohl ein schlechtes Gewissen, denn im Hotel funktionierte wieder alles einwandfrei.

Samstag dann die Abschlussetappe ‚Grande Finale‘ mit 220 km zurück auf die Mainau mit abendlicher Siegerehrung und Gala-Diner.

Die Mille war wie immer eine sehr schöne, sehr entspannte Tour, die viel Zeit liess für Gespräche und freundschaftliches Miteinander. Man kann den Stellenwert der Mille Fiori auch daran erkennen, das es sich Dieter und Sabine nicht nehmen liesen, an der Fahrt teilzunehmen, obwohl Dieter einen angebrochen Rückenwirbel hatte und der E-Type alles andere als eine Sänfte ist. Hochachtung vom ganzen Team!

Am Sonntag erfolgte die Heimreise, denn für mich stand schon die nächste Veranstaltung an.

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Teil 2   Goodwood- Revival vom 10. – 14.September

Mein persönliches Highlight dieses Jahres war die Teilnahme am Goodwood-Revival mit dem Rothenberger-Team. Am Mittwochnacht ging es nach Kelkheim ins Teamcenter. Von dort fuhr unser bewährtes Team mit Rene, Robert, Mike und mir mit dem Bristol-Renntransporter und einem Range-Rover mit Hänger los Richtung England.

Der Range mit Anhänger machte noch einen Umweg über Spa in Belgien, da geplant war den Bristol auf dem Rückweg in Spa stehen zu lassen für das nächste Event. Wir kamen zügig voran, ohne Wartezeiten durch den Tunnel und waren abends schon in Goodwood. Obligatorisches Einkaufen und dann wurde unser Standplatz im Fahrerlager bezogen.

Am Donnerstag dann der erste Rundgang. Alles war am Ankommen, Aufbauen und Vorbereiten. Wenn es für Goodwood ein anderes Wort gäbe, wäre das Reizüberflutung. Unglaublich was an historischem Gerät angerollt wurde: Alles was jemals irgendeinen Bezugpunkt zu Goodwood hatte, war vertreten, alles stilecht im historischen Outfit. Sei es Personen, Zelte, Ausstattung, Geschäfte, jeder bemühte sich, authentisch zu sein. Wir als Mechaniker natürlich im Overall, mit weißem Hemd und Krawatte und Kappe.

CIMG4998Dann kam mein Augenblick. Da in Goodwood während des zweiten Weltkriegs eine Jagtstaffel stationiert war, besteht natürlich auch heute eine enge Verbindung zur historischen Fliegerei. Den ganzen Tag über schwebten dutzende von Warbirds, vornehmlich Spitfires ein. Ein unglaublicher Anblick, die Flugzeuge rollten auf ihre Parkpositionen, ich stand daneben, während die Flugzeuge mit laufendem Propeller drei Meter an mir vorbeirollten.

Überhaupt ist es ein Merkmal von Goodwood, dass alles völlig entspannt, freundlich und ohne jede Hektik passiert. Sehr angenehme Atmosphäre. Abends gabs natürlich ein paar englische Ales im Pub und wir waren in angespannter Erwartung auf die ersten Trainingsläufe.

CIMG5012Das Rothenberger-Team war mit zwei Autos vertreten. Einmal mit einem Mercedes SSK in einem Vorkriegslauf und mit einem Lister-Knobbly in einem 50er Jahre lauf. Der Lister hatte hier seinen ersten Einsatz, war er doch erst vor einem Jahr durch einen glücklichen Umstand in den Besitz von Herrn Rothenberger gelangt und durchlief anschließend eine größere Restauration. Dieser Lister war der erste Prototyp von Lister, er gelangte in den Besitz von Briggs Cunningham, der ihn 58 und 59 unter Walt Hansgen in der SCCA Meisterschaft einsetzte. Ein phänomenales Auto.

 

Kurz vor dem Start zum Training kam noch Hektik auf, weil Herr Rothenberger auf dem Weg vom Flughafen im Stau steckte. Er schaffte es gerade noch so. Die Trainings verliefen ohne Probleme, so dass für uns Mechaniker Zeit für einen großen Rundgang blieb. Unvorstellbar, was sich mittlerweile alles eingefunden hatte, alleine auf dem Besucherparkplatz parkten Tausende von Oldtimern, darunter teilweise Raritäten, von denen selbst ich nichts wusste.

Stände mit historischen Klamotten, Werkzeug, Lifestyle, es gab extra Friseurläden wo man sich die entsprechende Frisur verpassen lassen konnte, Teile-Händler, Auto-Händler, es gab sogar einen Laden mit historischen Dessous, wo sich die Mädels noch mal eben schnell Nylons mit Naht besorgen konnten. Rauchwaren, Whiskey, Schottenröcke, Dudelsäcke, alles was das Herz begehrt, war zu bekommen.

Unser Renntransporter mit seinem gut gefüllten Kühlschrank war natürlich Treffpunkt für Freunde, Bekannte, Kunden und viele mehr.

Nachmittags unternahmen wir noch einen Abstecher zur Fa. Metcalfe, die sich nunmehr schon in der zweiten Generation um die großen Bentleys kümmert. Hier entsteht gerade ein neues Projekt für das Rothenberger-Team. Ein speziell aufgebauter 4,5 Liter Bentley mit dem Helmut Rothenberger 2016 die Rallye Peking-Paris bestreiten will. Wir waren sehr beeindruckt, und fiebern schon alle dem Großereignis entgegen.

Abends natürlich wieder im Pub, umgeben von lauter verrückten Auto-Maniaks, so dass wir gar nicht auffielen.

Am Samstag dann das erste Rennen mit dem SSK, das ebenfalls ohne Probleme ablief. Die Rennen selbst waren teilweise hochkarätig besetzt, was Autos sowie Fahrer betraf. Manche ließen es richtig krachen, hat ein Sieg in Goodwood doch einen hohen Stellenwert. Tagsüber gabs immer wieder Überflüge der Spitfires, teilweise in Formation, sehr beeindruckend.

Am Sonntag folgte dann das Rennen mit dem Lister, das wir eher verhalten angingen, da es ja der erste Einsatz war.

Und wieder staunen und staunen, Tausende von Besuchern, viele liebevoll gekleidet, Überflüge der Spitfires, spektakuläre Rennen, nochmals ein Gang durchs Fahrerlager. Gegen Abend wurde der SSK verladen und wir machten uns auf die Heimreise. Vor dem Tunnel noch ein paar Stunden Schlaf und dann nach Spa, wo der SSK in den Anhänger umgeladen wurde, und der Bristol gleich im Fahrerlager geparkt wurde. Über Kelkheim führte mich dann mein weg nach Hause. Zu Hause angekommen musste ich erstmal alles Revue passieren lassen. Die Veranstaltung ist einfach unbeschreiblich und unbedingt empfehlenswert.

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Teil 3       6-Hours of Spa             18. – 20. September  

Am Donnerstag ging es nach einer kurzen Erholungspause dann nach Spa, zu einer meiner Lieblingsveranstaltung.

Das Rothenberger-Team setzte hier traditionell ihren Jaguar C-Type und einen Shelby GT ein. Der C-Type hatte ja über den Winter ein neues spezielles Renngetriebe bekommen, da wir beim letzten Einsatz mit dem alten Getriebe enorme Probleme hatten. Mir war etwas unwohl, da bei den Testfahrten am Nürburgring wegen schlechten Wetters keine richtige Erprobung unter Rennbelastung möglich war. Am Donnerstag stand aber erstmal nur die Abnahme der Autos an, was auch ohne Probleme funktionierte.

Am Freitag dann die Trainingsläufe mit dem C-Type und dem Shelby. Auch wieder ohne Probleme, das Getriebe im C-Type bewährte sich ausgezeichnet. Abends trafen mein Sohn Felix und Freunde ein, und wir starteten unser traditionelles Parkplatzgrillen. Dieses Jahr hatte ich auch noch 20 Jaguar-Fahrer zu Gast, die eine Ausfahrt nach Spa machten. Mir war etwas unwohl, wie die Jaguar Leute dieses doch etwas rustikale Ambiente aufnehmen würden, zumal sich während des Grillens auch noch Regen einstellte. Aber überraschenderweise fanden es alle super, echt mal was anderes. Und es wurde trotz Regen ein langer Abend.

Am Samstag dann Vorbereitung für die Rennen, Fahrzeuge tanken und letzte Durchsicht. Für die Jaguar-Freunde hatte ich mich bereiterklärt, eine Fahrerlagerführung zu machen, die bei allen gut ankam. So bekamen doch viele tiefere Einblicke ins Renngeschehen.

Das Einstundenrennen mit Fahrerwechsel des C-Types verlief völlig problemlos, ich glaube die Getriebegeschichte ist abgehakt.

Um 4.00 dann der Höhepunkt, wie schon oft beschrieben ein atemberaubendes Bild wenn sich 80 Rennwagen in die Eau-rouge werfen. Beim 6-Stundenrennen war dieses Jahr sehr auffallend, wie schnell mittlerweile die E-Types geworden sind. War in der Vergangenheit immer die Reihenfolge GT40 – Cobras – Mustangs und Corvettes und dann die E-Types, so sind die E-Types mittlerweile zur zweiten Kraft hinter den GT40 geworden. Ardennentypisch setzte natürlich auch wieder Regen ein, was zu zahlreichen Kaltverformungen führte. Auch unser Shelby hatte leider noch 10 Minuten vor Schluss leichten Kontakt mit einer Mauer, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat.

Ebenfalls in guter Tradition stand unser nächtliches Barbecue am Team Bus. Sonntags dann alles verladen und etwas groggy die Heimreise angetreten.

Nach diesen drei Veranstaltungen war ich dann doch froh, wieder den normalen Werkstatt-Alltag aufnehmen zu können. Missen wollte ich sie aber auch nicht.

Die Saison ist rum, sehen wir mal was die Nächste so bringt.