Le Mans Classics 2014

LE MANS Classics 2014, 4. bis 6. July

berichtet und fotografiert von Jochen Extra

Alle zwei Jahre wird im Anschluß an das 24-Stunden Rennen von Le Mans auf der noch abgesperrten Originalstrecke die Le Mans Classics ausgetragen. Eine Oldtimer Rennveranstaltung zu der nur Fahrzeugtypen zugelassen sind, die schon einmal in Le Mans gestartet sind. Aufgeteilt in 6 Starterfelder (Grids) die nach Baujahr zusammengefasst sind, gehen rund 450 historische Rennwagen abwechselnd auf die knapp 14 km lange Strecke. Jedes Grid hat drei Turns von ca. einer Stunde Fahrzeit. Die gefahrenen Zeiten und Platzierungen werden zum Schluß zusammengefasst.

Eine unglaubliche Veranstaltung.

Das Rothenberger Racing Team hat sich 2014 mit einem Invicta und einem Shelby 3500 angemeldet und wie schon 2012 war ich als Mechaniker im Team. Wir starteten am Mittwoch morgens um 5 Uhr, da wir stilecht mit dem Rothenberger Race-Transporter, einem historischen Bristol-Bus, der in der Vergangenheit einem Lotus-Team als Transporter gedient hatte, unterwegs waren. Robert und Phillip, meine Mechanikerkollegen waren in einem 7,5 Tonner im Schlepp dabei, der unsere gesamte Ausrüstung sowie einen Haflinger als Boxenfahrzeug geladen hatte.

Um 16 Uhr kamen wir in Le Mans an und machten erst mal im Super-U halt um die wichtigsten Grundnahrungsmittel wie Bier, Champagner und Grillgut einzukaufen. Danach bezogen wir unseren Standplatz im Fahrerlager. Der LKW mußte außerhalb im Camp-Ground parken. Der Bristol war in bester Gesellschaft, links der Ecurie Ecosse Transporter mit einem C-Type, rechts der John Wyer Transporter mit einem Gulf 917 Porsche und wir mittendrin.

Ein erster Rundgang bestätigte das hohe Niveau der Veranstaltung. Alleine das Jaguar Aufgebot war atemberaubend. 5 C-Types, 6 D-Types, 14 Race E-Types, 6 Lister-Jaguars, 7 Race-XK sprechen für sich. Die Grillabende zogen sich etwas in die Länge und der Schlaf kam etwas zu kurz. Am Donnerstag war Anmeldung, Papierabnahme, Startnummern aufkleben und Technische Abnahme. Es gab wenig zu tun und viel zu schauen. Alles was jemals mit Le Mans zu tun hatte, war vertreten: Cobras, Bentleys, Ford GT40, Porsche in allen Variationen, Sauber, Chevron, Lola … und, und, und.

Am Freitag standen die ersten Trainingsläufe an und damit erste Hektik. An beiden Autos stellten sich Aussetzer auf der langen Hunaudieres-Geraden unter Vollast ein. Wir konnten relativ schnell schadhafte Benzinpumpen feststellen und ersetzen. Das Testen auf der Landstraße gestaltete sich jedoch etwas abenteuerlich, da wir den vierten Gang voll ausfahren mussten (ca. 120 Meilen!!) Zum Glück ist die Polizei im Umfeld der Veranstaltung etwas großzügig. Nach dieser Reparatur liefen die Autos wie ein Uhrwerk.
Unser Transporter war natürlich Anlaufstelle für viele Bekannte des Teams und in der Bus-Lounge. Thema: Men, Cigars and Alkohol only. Es wurden dicke Zigarren abgeraucht und man hatte den Eindruck, der Bus brennt ab.

Am Samstag dann endlich der Renntag. Die Spannung stieg permanent, bis unser Grid 1 (Vorkrieg) in die Startaufstellung gerufen wurde. Für die Zuschauer wurde ein klassischer Le Mans Start durchgeführt, das Startfeld wurde jedoch wieder vom Pace-Car eingefangen und nach einer geführten Einführungsrunde fliegend gestartet. Helmut Rothenberger konnte sich recht schnell in die Spitzengruppe vorarbeiten. Mit Rundenzeiten von 6.40 Min. konnten wir bis auf den fünften Gesamtplatz vorfahren. Pro Turn war ein Fahrerwechsel vorgeschrieben, Gaetan Woitrin übernahm das Steuer und legte sogar noch etwas zu bei den Rundenzeiten.
Nach Abwinken des Turns wurde das gesamte Startfeld in Formation durchs Fahrerlager in die Boxen geführt. Ein großes Spektakel für die Zuschauer.

Dann gab es Arbeit für uns Mechaniker. Das Auto mußte komplett durchgesehen, betankt und für den nächsten Turn fertiggemacht werden. Der Liter Sprit lag etwas über 4 Euro.
Der zweite Turn fand mitten in der Nacht statt, lief aber wie der erste völlig problemlos durch.
Der dritte Turn folgte dann am Sonntag morgen, ebenfalls völlig problemlos. Allerdings führte ein starker Regenguss zu teilweise abenteuerlichen Fahreinlagen. Auch wir büßten durch einen Dreher unseren vierten Platz ein und wurden dennoch hochzufrieden Fünfter.

Mein Respekt vor unseren Fahrern stieg gewaltig. In einem Vorkriegsrenner ohne Gurte und ohne Überrollbügel Geschwindigkeiten von annähernd 200 km/h zu fahren, Dreher abzufangen und das im Regen: Respekt.

Der Shelby hatte sich ebenfalls sehr gut plaziert, und so war die Stimmung bestens.
Meine eigene Stimmung wurde noch besser als ich mitbekam, das Jochen Mass einen Porsche 911 RSR pilotierte und dabei einen prominenten Partner hatte. Brian Johnson, motorsportbegeisterter Frontman der Rockgruppe AC/DC. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und als echter Rock`n Roller hatte er auch Zeit für ein Bier und ein Gespräch über die wichtigen Dinge, wie gute Musik und schnelle Autos. Er war voll des Lobes über die Veranstaltung und über sein „great fucking german car“.

Am Sonntag nachmittag wurde dann alles verladen und sobald das Fahrerlager geöffnet wurde, traten wir unseren langen Heimweg an. Kurz vor Reims übernachteten wir noch einmal, um dann am Montag wieder zurück zu sein.

Im Nachhinein kann ich nur sagen, eine tolle Veranstaltung optisch wie akustisch. Das muß man erlebt haben, wenn ein Rudel Cobras und GT40 mit vollem Druck die Start-Zielgerade durchfährt und man das Gefühl hat der Beton bröckelt von der Boxenmauer! Racing at its best!

Mit Sicherheit einer der Höhepunkte meiner diesjährigen Rennaktivitäten.